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Unsere Hi-Fi Technik > BRAUN
Wie Braun Design-Geschichte schrieb.
Die Geburtsstunde schlug mit der Forderung nach einheitlicher Qualität von Design und Technik. Im Produktionsprogramm von Braun sind Rundfunk- und Phonogeräte ältester und traditionsreichster Bestandteil. Viele Pionierleistungen auf diesem Gebiet markieren die Geschichte der Firma seit ihrer Gründung 1921. Braun kombiniert Anfang der dreißiger Jahre Radiogerät und Plattenspieler zum "Phono-super", ist einer der ersten Hersteller von Kofferempfängern, setzt seit 1955 die Leitbilder für zeitgemäße Formgestaltung und nimmt mit der Trennung von Steuergerät und Lautsprechereinheit die Bauweisen der HiFi-Technik vorweg.
Nach dem frühen Tod des Firmengründers Max Braun 1951 übernehmen Artur und Erwin Braun das Unternehmen. Ihre besondere Fähigkeit liegt darin, nicht nur marktorientiert an einen Neuanfang zu gehen, sondern auch hellhörig und sensibel auf Stimmen zu achten, sie anzuhören und auf sie zu reagieren. Tief beeindruckt kommt Erwin Braun von einem Vortrag in Darmstadt zurück, auf den ihn sein Zeichenlehrer aufmerksam macht. Darin referiert der Designer Wilhelm Wagenfeld vor Kunsterziehern über moderne Formgestaltung von Industrieprodukten.
1954 - Die Vision eines neuen Wohnstils
Die Brüder sehen ein großes Potenzial für Erzeugnisse, die sich vom Rest des Marktes absetzen. 1954 formulieren sie ihre Vision, Radiogeräte als "ehrliche, schlichte und funktionelle Geräte" kreieren zu wollen. Bestärkt werden sie von den Ergebnissen einer Marktstudie, die sie beim Institut für Demoskopie Allensbach in Auftrag gegeben haben. Danach wünschen sich 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Rundfunkgeräte, die modernem Wohnstil entsprechen. Mit der Entscheidung, dem Trend zu folgen, kommt es zu einem grundlegend neuen Firmenkonzept.
Erwin Braun holt seinen Freund Fritz Eichler in die Firmenleitung. Der Kunsthistoriker und Regisseur verbreitet einen neuen Geist im Unternehmen. Als Leiter der Abteilung Produktgestaltung wird Eichler für das Design aller Radio- und Phonogeräte von Braun verantwortlich. Entwickelt wird es in Zusammenarbeit mit Hans Gugelot und der Ulmer Hochschule für Gestaltung sowie freien Mitarbeitern wie Wilhelm Wagenfeld, Otl Aicher und Herbert Hirche. Den Kontakt nach Ulm hat ein Fabrikant von Holzgehäusen hergestellt, der auch Braun damit beliefert.
1955 - Mit neuen Ideen gegen den "Trend"
Produktgestaltung wird damals von vielen Herstellern als Nebensache angesehen. Dem vom Bauhaus-Stil beeinflussten Team gelingt es hingegen, die neuen Erzeugnisse von Braun aus dem üblichen Markangebot herauszuheben. Die neuen Radios unterscheiden sich nicht nur im Design von ihren Konkurrenten im Nussbaumgehäuse mit golddurchwirkten Lautsprecher- bespannungen. Sie tragen auch keine Namen wie "Caruso", "Jubilate" oder "Tannhäuser", sondern eine schlichte Kombination aus Buchstaben und Zahlen.
1955 wird die neue Design-Philosophie auf der Funkausstellung in Düsseldorf vorgestellt. Die in nur acht Monaten neu gestaltete Palette von Braun-Radios und Rundfunkkombinationen erregt großes Aufsehen. Dafür sorgt auch der von Otl Aicher und Hans Conrad entworfene Messestand. Ausgestattet mit Knoll-Möbeln, entspricht er im Stil den Produkten und lässt die Firmenpräsentation wie aus einem Guss wirken. Das demontable System wird 32 Jahre verwendet und lediglich "modellgepflegt". Sein Äußeres beeindruckt heute noch durch Transparenz und Zeitlosigkeit.
Es melden sich auch kritische Stimmen. Max Grundig zum Beispiel warnt Erwin und Artur Braun, sie würden mit der neuen Kollektion das Erbe des Vaters verspielen. Händler fragen sich, wie sie den ungewohnten Stil ihren Kunden verkaufen sollen. Doch die Brüder sind trotz kommerzieller Rückschläge von ihrer neuen Linie überzeugt.
1956 - Braun holt Dieter Rams mit in's Boot
Schließlich holt Erwin den Architekten Dieter Rams in die "Abteilung für Formgestaltung". Er ergänzt das Design der Radio-und Phonotruhe SK 4, die Hans Gugelot entworfen hat. Neu bei dem Vorläufer der Kompaktanlage "audio" ist die oben liegende Anordnung der Bedienungselemente, die geschlitzte Lautsprecherfront, eine Plexiglashaube sowie das Stahlblechgehäuse, links und rechts von Holzseiten flankiert. Unter dem Spitznamen "Schneewittchensarg" schreibt der SK 4 von 1956 Designgeschichte und ist heute begehrtes Sammlerobjekt.
Das Zerlegen der Radio-Phono-Kombination in einzelne Bausteine unter Verbesserung des "Innenlebens" wird weiter vorangetrieben. Auf der Deutschen Funkausstellung 1959 in Frankfurt stellt Braun mit dem "studio 2" seine erste HiFi-Anlage im Baukastensystem der Öffentlichkeit vor. Herzstück ist die eigenwillige Kombination von Plattenspieler und Vorverstärker CS 11 - eine Idee, die Braun nicht weiter verfolgt.
Dass ein Steuergerät aus drei Elementen - dem Tuner sowie Vor- und Endverstärker - besteht, ist damals kaum bekannt. So sind es vor allem der Empfänger CE 11 und die Endstufe CV 11 in separaten Gehäusen, die etwas ratlose Blicke der Besucher auf sich ziehen. Ein deutscher Kraftverstärker in einem Blechkasten, der keinen einzigen Regler besitzt und in dem Röhren glimmen, gilt auf der Messe als Sensation.
Der zündende Funke - Einstieg in die Edel-Hifi Klasse
Bald genügt Erwin Braun die Design-Erfolgsgeschichte nicht mehr. Mit dem neuen Erscheinungsbild hat sich der Kundenkreis des Unternehmens vom Land mehr in die Stadt verlagert. Dort stellen die Käufer höhere Ansprüche. Die Schere zwischen dem hochwertigen Äußeren der Rundfunkgeräte und ihrer herkömmlichen Technik klafft immer weiter auseinander. Ihm schwebt deshalb ein neues Produktprogramm hoch über den üblichen "Dudelkästen" und den Musiktruhen mit ihrem schwülstigen Plüschklang vor- kombiniert mit der neuen Designauffassung.
Die Ingenieure bei Braun erhalten für die Entwicklung von Geräten in HiFi-Qualität freie Hand. Erste Schritte zu modularen Systemen sind die Radio-Phono-Kombinationen "atelier 1" und "studio 1" mit der für besseren Klang wichtigen Trennung von Steuergerät und Lautsprecher. Ein Journalist schreibt in einem Messebericht: "Soviel ich feststellen konnte, ist nur eine einzige Firma der Branche auf den Gedanken gekommen, dass außer dem Aussehen und der Lautstärke auch die Klangqualität der Geräte interessieren könnte. Um diese prüfen zu können, waren in dem weiträumigen Pavillon von Max Braun schalldichte Kabinen eingebaut."
1962 - Braun wird Mitbegründer des Deutschen High-Fidelity-Instituts
Reihen immer leistungsfähigerer Verstärker, Empfänger, Plattenspieler und Lautsprecher entstehen. Braun entwickelt sich zum einzigen inländischen Hersteller mit einem kompletten HiFi-Programm - und das auf durchweg sehr hohem Niveau.
Am 1. März 1962 gründet Braun mit sieben anderen mutigen Firmen und zwei Privatpersonen das Deutsche High-Fidelity-Institut (dhfi). Es sind dies die Importeure Herbert Anger und Garrard Audioson, die US-Firma Shure, die deutschen Hersteller Dynacord, Elac, Elbau (heute nicht mehr bekannt), Klein + Hummel sowie der Journalist Ernst Pfau und der Werbeberater Dietrich Hahn - der nach einigen Jahren den Kontakt zur HiFi-Szene wieder verliert.
Sitz des dhfi ist zunächst im Werk Rüsselsheimer Straße. Mit Manfred Walter stellte das Unternehmen auch den ersten Vorsitzenden. Zweck des gemeinnützigen Vereins ist die Förderung der HiFi-Technik sowie die Beratung von Fachhandel und HiFi-Interessierten.
1963 - Braun schult das Verständnis für Hifi
Braun setzt sich aber nicht nur für die Entwicklung und Produktion echter HiFi-Geräte ein. Dazu gehören auch Werbung, Vertrieb und Verkauf. Das Unternehmen publiziert ein aufwändiges Brevier zur Verbreitung des HiFi-Gedankens, das in mehreren Auflagen erscheint. Auf Messen und Ausstellungen werden die Leistungen der Geräte demonstriert.
Ab 1963 finden im "Studio Braun" am Frankfurter Opernplatz wöchentlich öffentliche Schallplattenkonzerte bei freiem Eintritt statt - eine Übung, die alle Braun-Informationszentren übernehmen. Star dieser Konzerte ist die neue Spitzenanlage "studio 1000" in Verbindung mit dem Großlautsprecher L 1000. Die Vorführungen werden von hunderten meist junger, hoch konzentrierter Menschen besucht und zu einer fest mit dem Namen Braun verbundenen Institution.
1965 - der Weg nach ganz oben
1965 stellt das Unternehmen die Bausteine des "studio 1000" vor. Kennzeichnend für den hohen Bedienungskomfort ist die Steuerung der Funktionen über leichtgängige Tipptasten. So werden beispielsweise beim Plattenspieler der Tonarmlift, beim Tuner die Wellenbereiche und beim Verstärker die Programmquellen über Relais geschaltet.
Mit 2 x 55 Watt Dauerton ist der CSV 1000 der leistungsfähigste deutsche Verstärker. Der Plattenspieler PS 1000 verfügt über einen verbesserten Tonarm, Leuchtstroboskop und fotoelektrische Endabschaltung.
Aber nicht nur technisch beeindruckt diese High-End-Anlage der 1960er Jahre. Mit "studio 1000" läutet Braun auch die Linie des "Grand Design" ein. Alle Geräteseiten außer der Front sind jetzt in anthrazitfarbenem Strukturlack gehalten. Statt Frontplatten mit sichtbaren Schrauben wie bei den ersten HiFi-Bausteinen haben Tuner und Verstärker nach dem Vorbild des Weltempfängers T 1000 Fronten aus tiefgezogenem Aluminium mit gerundeten Kanten. Die Kippschalter sind eleganter, und erstmals setzt Braun für besonders wichtige Tasten farbigen Kunststoff ein.
Nur betuchte HiFi-Liebhaber können sich diese Traumanlage leisten. Der Preis von 15.000.- DM entspricht damals dem einer Limousine der Oberklasse. In Verbindung mit dem Großlautsprecher L 1000 wird "studio 1000" auch bei öffentlichen Schallplattenkonzerten eingesetzt.
Super Ideen sind nicht immer erfolgreich
Die Ingenieure von Braun können ohne finanzielle Limits nach dem Stand der Technik entwickeln. Einfach besser zu sein als andere ist das ehrgeizige Ziel - dessen hohe Investitionen Erwin Braun auch mit Blick auf das unternehmerische Verständnis seines Vaters verantwortbar erscheinen. So kommt es ab 1966 sogar zum Engagement von Braun in der kommerziellen Musikübertragung. Die Idee: HiFi-Qualität von Braun soll auch in großen Räumen, etwa Hotels, Schulen oder Kirchen, möglich werden.
Auf Basis der Bausteine des "studio 1000" entwickeln die Techniker so genannte Ela-Komponenten. Die professionellen Geräte mit ihren typischen "Handgriffen" werden in genormte Metallgestelle übereinander eingebaut - ein Vorgriff auf die HiFi-Racks der späten 1970er und 1980er Jahre.
Ein Schaltpult für HiFi-Vorführstudios und Bausteine für Diskotheken folgen. Das Hifi-Umschaltpult war zu fummelig und die Disko-Verstärker hielten die tägliche 6 stündige Überlastung nicht lange durch. Dafür waren die ja auch nie konstruiert worden. Kommerziell sind das alles Fehlschläge. Von der Ela-Anlage, einer der hinreißendsten Design-Entwürfe von Dieter Rams und heute Krönung jeder Braun-Sammlung, werden weniger als 100 Exemplare verkauft.
März 1991 - Braun HiFi ist von nun an Geschichte
Die Letzte Edition der "atelier" - Anlage - heute ein begehrtes Sammlerstück. "Am 31. März 1991 wird Braun HiFi Geschichte." Mit dieser Botschaft verkaufte Braun in der Saison 1990/91 die letzten atelier-Anlagen als Sammler- objekte. Die limitierte Auflage wurde nummeriert und mit entsprechenden Urkunden versehen. Zusätzlich erhielten die Käufer eine Dokumentation über die Braun Designgeschichte bei HiFi-Geräten.
Was aber gab den Ausschlag, dieses traditionsreiche und die Marke prägende Geschäftsfeld nach über 30 Jahren aufzugeben?
Die Hersteller von Unterhaltungselektronik lieferten sich schon Anfang der 1980er Jahre einen harten Verdrängungswettbewerb, dessen Tempo japanische Firmen bestimmten. Ständige Produktmodifikationen erforderten den Einsatz immer größerer Finanzmittel und verkürzten die Lebenszyklen von HiFi-Bausteinen. Die Eigenfertigung wurde für Braun zusehends unwirtschaftlich - zumal bei den im oberen Preissegment beschränkten Stückzahlen.
Da Braun an die Produktion hohe individuelle Ansprüche stellte, bot Fremdfertigung in Japan nur bedingt einen Ausweg. Die Qualitätssicherung machte in Kronberg oft Nacharbeiten erforderlich. Logistikprobleme und Währungsrisiken kamen hinzu. Dem 1981 mit der US-Firma a/d/s gegründeten Gemeinschaftsunternehmen gelang es nicht, auf dem HiFi-Sektor eine eigene Identität aufzubauen. Braun nahm deshalb die Gesellschafteranteile des Partners wieder zurück und entschloss sich, sein HiFi-Geschäft mit einer "Letzten Edition" auslaufen zu lassen.
"Wir hätten drei- bis viermal so viele Anlagen verkaufen können", lautete die Schlussbilanz. Die 250 ausgewählten Händler mussten erkennen, dass es für Braun HiFi keinen Ersatz gibt. Andere Hersteller konnten die Nische, die für Braun selbst zu klein geworden war, nicht füllen. Einen Run auf die drei atelier-Anlagen mit der Editionsnummer 1 hat es übrigens nicht gegeben: Diese gingen als Spende an das Institut für neue Technische Form in Darmstadt, an das Deutsche Rundfunkmuseum in Berlin und an das Deutsche Museum in München.
Am Anfang war die Vision. Die Vision, ehrliche Produkte für den modernen Menschen zu gestalten. Aus der gestalterischen Vision wuchs ein unternehmerisches Konzept. Und aus den Visionären wurden Begründer einer neuen Design-Ära. Was als Revolution im Kleinen begann, hat bis heute das Gesicht sehr vieler Produkte des täglichen Gebrauchs nachhaltig verändert.
Konsequenz war der Motor, der dieser Vision zum Durchbruch verhalf. Konsequenz war auch der Motor beim Rückzug aus dem HiFi-Bereich, als der Markt nicht mehr erlaubte, langlebiges Gerätedesign zu produzieren.
Quelle:
Text und Bilder haben wir mit freundlicher Genehmigung von
Herrn Gert Redlich, RDE GmbH Wiesbaden http://www.hifimuseum.de/braun-hifi-geschichte-ii.html
und Herrn Jörg Hansen www.tugendhat.de veröffentlicht.
Wir bedanken uns recht herzlich.
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