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Unsere Musik > Rock in Ostfriesland
Roll Over Beethoven
"Musik aus aller Welt!" Weithin sichtbar - das Aushängeschild von Meyer's "Hula-Hoop-Song", dem Treffpunkt der Jugend Ostfrieslands, in den Zeiten, als Rock- und Beatmusik angesagt waren. In Zeiten, als sich kein deutscher Rundfunksender an solche Musik heranwagte, obwohl diese Mode aus Großbritannien und den "Staaten" herüberschwappte. In Zeiten, als Fotos, teils mit Trauerflor versehen, von Männern in zackiger Haltung und Uniform auf den Zimmerschränken standen und die Nachkommen anfingen, sich in "lässiger Pose" und mit Zigarette (a la James Dean) fotografieren zu lassen. In Zeiten, als Rockerbanden die Heimat erzürnten, und die Existenz eines sogenannten "Hot-Club", eine 1000 Seelen Gemeinde, durch die kursierenden Gerüche über das Unwesen das dort getrieben werden soll, so sehr in ihren Grundfesten erschütterte, dass selbst die Heimatpresse sich wochenlang nicht mehr beruhigen konnte. In hiesigen Kinos liefen Filme an, bei deren Aufführungen die Polizei anwesend war, um vermuteten Ausschreitungen, nach dem Vorbild in den Großstädten, im Keim zu ersticken. Schuld an allem soll der Rock'n'Roll gewesen sein. "Diese ,Hottentotten und Negermusik' bringt uns Gewalt und Drogen", so Personen aus dem öffentlichen Leben Ende der 5Oer Jahre. In Wirklichkeit erholte sich unsere Nation gerade von Gewalt, die für einige aber auch Droge war. Rock'n'Roll war das Ventil für die erste Nachkriegsgeneration. Versprochen war: Es sollte alles besser und schöner werden. Aber irgendwie lief es doch so an, "wie es die Alten sungen"
Dabei
Unsere Droge war blau und aus festem Baumwollstoff, und hatte einen ‚Levi's" oder "Lee" Brand auf einem Lederviereck an der rechten Gesäßtasche, und war, wie das bei Drogen so ist, für die meisten von uns unerschwinglich!
"Roll Over Beethoven", Chuck Berry kündigte an, was Sache war. Diese Ankündigung einer neuen Ära, wo sollte die Jugend diese Rufe hören? Im Radio suchte man vergebens, wenn nicht gerade Jemand mit riesigem Antennenaufwand in der Lage war "Radio Luxemburg", "Hilversum" oder Sender der Besatzungstruppen einzufangen. In den Geschäften Achselzucken: "Haben wir nicht, kennen wir nicht".
Auf den Jahrmärkten indes erkannten die Schausteller diesen Trend und lieferten das, wonach das "Teenager-Herz" rief. "Rock'n'Roll" und zwar "laut und deutlich" und ohne Mittel- und Kurzwellengeräusche, aber so wuchtig, das die Ohren Augen machten! In unserer Region war "Meyer's Auto-Rennbahn" (so der ursprüngliche Name des Fahrgeschäftes) der Geheimtipp für den Rock-Fan. Hier hörte man die Musik, die es sonst nirgends zu geben schien. Meyer, der seine Topsongs in Holland einkaufte, und dort Familienangehörige hatte, verstand es immer wieder, mit seinem Musik-Mix den Nerv der Generation zu treffen.
Nur wenigen Dingen des täglichen Lebens ist es vorbehalten, im nachhinein mit einem besonderen Glanz versehen zu werden. Meyer's "Hula-Hoop-Song" mit seiner Musik und den dazu gehörenden Geschichten ist so ein Ding. Ob wir wollen oder nicht: Die Allgegenwart dieser Songs lässt keine Ohren (und manchmal Augen) trocken, und verbindet sich unbemerkt mit Situationen, mit den Bekannten und Freunden von einst und heute. Es wurden Songs, die wir nicht aus dem Kopf bekommen. Unvergessene Musik zu unvergessenen Geschichten. Aus dieser Zeit ist die vorliegende, kurzweilige, abschweifende, teils komische, tiefschürfende Geschichte zu der damit verbundenen Zeit!
Gedacht für die seligen Stunden, wenn wir an den ersten Kuss, an Hawaii-Toast, Hula-Hoop-Reifen, Gummibaum, Nierentisch, Petticoats, die Adenauer-Ära und an stromlinienförmige Auto-Kotflügel denken!
Quelle: (Auszugsweise)
Mit freundlicher Genehmigung
Johannes Ruhr
www.fresena-media.de
Die sechs CD's wurden uns freundlicherweise von "Wilhelm" aus Wittmund zur Verfügung gestellt. Auf ihnen sind als eine Homage die am häufigsten gespielten Hits aus der Zeit des Kalli Meyer "Rock'n'Roll Tempel" enthalten.