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Die Technik

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PCS 5 und CSV 13
1962 stellt Braun mit dem PCS 5 den ersten selbst entwickelten HiFi-Plattenspieler vor. Eine Kombination aus Reibrad und Riemen treibt den drei Kilogramm schweren Teller mit 30 cm Durchmesser an. Die aufwändige Konstruktion, die sich bei Braun-Plattenspielern bis in die siebziger Jahre bewährt, verleiht dem Gerät den hohen Rumpel-Fremdspannungsabstand von - 40 dB. Das auffällig geschwungene Rohr des Tonarms sorgt für gleichmäßige Belastung seiner vertikalen Lager. Der Tonarmlift besitzt Rastpunkte für die drei damals üblichen Schallplattendurchmesser 17, 25 und 30 cm. Ganz Braun-like ist die in lichtem Grau oder Anthrazit lackierte Zarge, die sich vom Nussbaum-Einerlei anderer Hersteller wohltuend abhebt.

Passend zum Plattenspieler PCS 5 liefert Braun den Röhrenverstärker CSV 13, der Vor- und Endverstärker in einem Normgehäuse vereint. Metallene Kantigkeit und lichtes Grau gelten bereits als "typisch Braun". Das Gerät mit einer Dauertonleistung von 2x12 Watt verfügt über getrennte Regler für Lautstärke (gehörrichtig) und Pegel (linear). Nur mit dieser Kombination ist eine stufenlose Anpassung an das Ohr möglich, das tiefe und hohe Töne schwächer als die Mitten wahrnimmt. Darüber hinaus lassen sich Höhen und Tiefen für jeden Kanal getrennt beeinflussen - ein bei nur sehr hochwertigen HiFi-Geräten anzutreffendes Ausstattungsmerkmal.

Ein mehrstufiges Rauschfilter unterdrückt Nadelgeräusche von Schallplatten, ohne die hohen Frequenzen mehr als nötig zu beschneiden. Der Klirrfaktor liegt im gesamten Hörspektrum und bei Vollaussteuerung unter einem Prozent. Die Zeitschrift "fono forum" bescheinigt, dass hier ein deutscher Verstärker Anschluss an die Spitzenklasse gefunden hat: "Konzeption und äußere Gestaltung haben geradezu internationales Format."


Spitzentechnik in Röhre - der Braun CSV 60 und LE 1
Mit dem CSV 60 bringt Braun bereits ein Jahr später einen wesentlich stärkeren Stereoverstärker auf den Markt. Seine vier modernen Leistungsröhren PL 500 - Bauteile aus Schwarz- Weiß- Fernsehgeräten mit besonders hoher Belastungsfähigkeit garantieren 2 x 30 Watt Dauerton.

Auffallend ist der servicefreundliche Aufbau des Geräts mit reichlich dimensionierten Bauteilen. Die Bedienungsmöglichkeiten gleichen denen des kleineren Bruders CSV 13. Für Radioempfang sorgt der Tuner CET 15, der nach Einsatz eines Adapters auch die künftigen Stereosendungen auf UKW wiedergeben kann. Mit den Lautsprechereinheiten L 25, L 40, L 60 und L 80 ist Braun der erste deutsche Hersteller, der über ein geschlossenes HiFi-Programm von gleichmäßig hohem Niveau verfügt - sowohl technisch als auch im Design.

Einen besonders transparenten Klang bieten die Lautsprechereinheiten LE 1 nach dem elektrostatischen Funktionsprinzip - wofür die Braun-Verstärker für die Versorgungsspannung spezielle Anschlüsse besitzen. Bei der LE 1 werden großflächige, sehr leichte Membranen von der Tonwechselspannung auf ihrer ganzen Fläche angetrieben. Sie können den Impulsen schneller folgen als die Konusmembranen dynamischer Lautsprecher. Gesangsstimmen und akustische Einzelinstrumente werden dadurch sehr realitätsnah abgebildet. Nachteilig sind relativ schwache Bässe und die ausgeprägte Richtwirkung dieser Lautsprecher. Von der LE 1 werden nach Lizenz der englischen Firma Quad bis 1966 lediglich etwa 500 Paare gebaut. Heute ist sie ein gesuchtes Sammlerstück.


Der Quad Elektrostat im Braun Kleid, eine geniale Idee
Übernommen haben die Braun-Ingenieure das Bausteinkonzept nach intensivem Studium der internationalen Fachliteratur, verbunden mit Reisen zu führenden Herstellern im Ausland. Separate Empfänger sowie Vor- und Endverstärker sind in den USA und England in der HiFi-Klasse schon länger die Norm.

Aus England dringt auch die Kunde von einem genialen Schallwandler nach dem elekrostatischen Prinzip. Der Lautsprecher der Firma Quad in Rahmenbauweise arbeitet mit großflächiger, auf ganzer Fläche angetriebenen Membran und gilt als einer der besten der Welt.

So reift in Frankfurt die Idee, von dem - optisch an einen Heizkörper erinnernden - Modell LS 57 eine Lizenz zu nehmen und es mit einem attraktiven Kleid zu versehen. Daraus entsteht die von Dieter Rams gestaltete Lautsprechereinheit LE 1, die mit dem "studio 2" sowie den Röhrenverstärkern CSV 13 und CSV 60 kombiniert wird. Braun ist der einzige Hersteller, dem es gelingt, von Quad eine Produktionslizenz zu nehmen.


Das Braun TG 1000 setzt Maßstäbe
Ein großer Wurf gelingt Braun 1970 mit dem Tonbandgerät TG 1000, das sich in die kleine Gruppe der semiprofessionellen Bandmaschinen einreiht. Alle die Tonqualität bestimmenden Eigenschaften erreichen das physikalisch Machbare. Die fotoelektrische Bandzugregelung setzt in dieser Klasse neue Maßstäbe. Der Spulendurchmesser von 22 cm ergibt sich aus der Forderung des Designs, die Spulen seitlich nicht über das Gehäuse herausragen zu lassen. Faszinierend die hohe Umspulgeschwindigkeit: Man kann bedenkenlos von schnellem Vorlauf auf Wiedergabe schalten, ohne dass "Bandsalat" entsteht.

1972 kommt das Gerät auf den Markt, das für viele Liebhaber wie kein anderes Braun HiFi verkörpert: das regie 510 mit typischen Designmerkmalen wie den kombinierten Anzeigen für Feldstärke und Ratiomitte, der Millimeterraster-Skala und den Senderzeigern als Rechenschieber-Lupe. Und noch ein Besonderheit zeichnet den Receiver mit der Dauertonleistung von 2 x 50 Watt aus. Es ist das erste deutsche HiFi-Gerät, das ganz in Schwarz lieferbar ist. Nach einer ersten Serie in Silber wird er nur in dieser Ausführung gebaut. Zusammen mit dem TG 1000, ebenfalls nur noch in Schwarz erhältlich, gilt das regie 510 als Wegbereiter für die künftige Farbgebung der meisten HiFi-Komponenten. Braun greift damit der Zeit weit voraus - ist doch Anfang der siebziger Jahre eher Poppig-Buntes gefragt.

Gleiches Niveau wie das Design hat das "Innenleben". Bis an die Grenzen des physikalisch Machbaren werden die Empfangseigenschaften des UKW-Teils mit Drehkondensator perfektioniert. Mit großer Reichweite empfängt es UKW-Stereo-Sendungen trennscharf und ohne die geringsten Verzerrungen oder Störgeräusche.

Die Zeitschrift "Stereo" findet am regie 510 keinen einzigen schwachen Punkt und bescheinigt dem Gerät ausgezeichnete Qualität. "Weitere technische Verbesserungen wären nur noch um einen Preis machbar, der für den privaten Konsumenten nicht mehr sinnvoll wäre."

(Anmerkung: Die Magazine und Zeitschriften im Hifi Bereich machten sich in der Hochphase der 70er Jahre untereinander gnadenlose Konkurrenz und kämpften mit allen halbwegs legalen Mitteln um jeden Anzeigenkunden. Und Braun war ein guter Kunde mit Image. So wurden manche Tests ganz offensichtlich geschönt und mit warmen Worten verziert. Die Firmen ließen hunderttausende von Sonderdrucken beim jeweiligen Verlag "gegen Entgelt" nachdrucken und "unters Volk" streuen.)

Ganz dicht an der Studiotechnik
Die Entwickler von Lautsprechern bei Braun orientieren sich inzwischen an Maßstäben, die in der Studiotechnik gelten. Im Blickfeld stehen die klanglichen Nachteile üblicher Frequenz- weichen, wie Phasenfehler und negative Einwirkungen auf das Ein- und Ausschwingverhalten. Endverstärker für Tief-, Mittel- und Hochtöner werden in die Lautsprechergehäuse integriert. Jedem dieser Verstärker ist ein aktiver Entzerrer vorgeschaltet. Die Braun Aktivboxen LV 720 und LV 1020 gewährleisten eine bisher nicht gekannte Verfärbungsfreiheit. Passend zu diesen bahnbrechenden Entwicklungen ist das regie 510 als Tuner-Vorverstärker CES 1020 erhältlich.

Braun will (Anmerkung: muß !!) aber auch Käuferschichten erschließen, die für eine HiFi-Anlage nicht mehrere tausend Mark ausgeben können - und nutzt dabei neue Materialien und Verarbeitungstechniken. Den Anfang macht das Kompaktgerät "cockpit". Kleine Abmessungen und ein robustes Kunststoffgehäuse ermöglichen Mobilität, wie sie die angesprochene junge Konsumentengruppe favorisiert.

Neu bei den 1973 vorgestellten Modellen der "8-Grad-Linie" - Steuergerät "regie 308" und Kompaktanlage "audio 308" - ist die pultartige Neigung der Bedienungselemente mit benutzerfreundlichem "Entgegenkommen". Dazu passt die Lautsprechereinheit L 308, ebenfalls mit zweifarbigem Gehäuse aus Polystyrol sowie dem gewölbten und gelochten Gitter. Mit der Design-Entwicklung des übrigen Braun HiFi-Programms ist die klassische Kompaktanlage audio mit ihrem silbernen Erscheinungsbild in eine Außenseiterrolle geraten. Das ändert sich mit dem völlig neu gestalteten "audio 400" ganz in Schwarz. Hoch ist der Bedienungskomfort: Auch wenn der Kunststoffdeckel geschlossen ist, lassen sich die meisten Schalter und Regler leicht bedienen. Die wichtigsten Funktionstasten unterscheiden sich durch die Farbe.

Der PS 500 - ein deutscher Spitzenplattenspieler
Kaum geringere Leistung, aber niedrigere Preise haben die ab 1967 vorgestellten Bausteine des "studio 500". Der Platten- spieler PS 500 verfügt mit Ausnahme der Relaissteuerung über die qualitätsbestimmenden Merkmale des PS 1000. Eine ölhydraulische Dämpfung schützt Laufwerk und Tonarm wirksam gegen Vibrationen, Bodenschwingungen und sogar feste Stöße. Der PS 500 ist eines der am längsten gebauten Geräte im Braun-Programm: Bis Mitte der siebziger Jahre zählt der Spieler zum festen Bestandteil der jeweiligen Spitzenanlage.

Als Tonbandmaschinen stehen nach dem TG 60 die weiter entwickelten Modelle TG 502 und TG 504 zur Verfügung. Der Verstärker CSV 500 ist in seiner äußeren Gestalt, den Bedienungsmöglichkeiten und mit der Dauertonleistung von 2 x 45 Watt von seinem großen Bruder kaum zu unterscheiden. Halb so breit sind der Empfänger CE 500 mit drei Wellenbereichen und die kleinste Bausteinanlage, bestehend aus Tuner CE 250 und Verstärker CSV 250. Für manchen Liebhaber von "Braun HiFi" ist dieses Pärchen das einzig erschwingliche.

Nach der Wandanlage TS 45 stellt Braun auf der HiFi-Messe 1968 in Düsseldorf seinen ersten klassischen Receiver vor. Das regie 500 ist die Kombination eines empfangsstarken Allbereich-Tuners und eines Verstärkers großer Leistung. Form und Ausstattung ähneln den Einzelgeräten der Braun Studio-Anlagen. Als neuer Plattenspieler steht der PS 600 mit Mechanik von Elac zur Verfügung, den Braun technisch und stilistisch seinen Bausteinen anpasst. Das Gerät ist allerdings im Unternehmen umstritten und erweist sich auch als weniger gut verkäuflich. Plattenwechsler in HiFi-Qualität sind damals die Domäne des Mitbewerbers Dual.

Nach den legendären Großlautsprechern L 80 und L 900 setzen jetzt die Lautsprechereinheiten L 710 und L 810 neue Maßstäbe. Mit ihren Hoch- und Mitteltonlautsprechern in Kalotten bauweise haben sie eine hervorragende Abstrahlcharakteristik. Wegen des neutralen Klanges und bestechender Formgebung werden sie auch gern mit Geräten anderer Hersteller kombiniert.


Quelle:
Text und Bilder haben wir mit freundlicher Genehmigung von
Herrn Gert Redlich, RDE GmbH Wiesbaden
http://www.hifimuseum.de/braun-hifi-geschichte-ii.html
veröffentlicht.
Wir bedanken uns recht herzlich.

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