Die Kuckidentrocker


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Kalli Meyer

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Meyer's Autorennbahn

Ein Karussell wird zum Musiktempel, ja zur Rock'n'Roll-Insel im Meer der Tanz- und Unterhaltungsmusik der 60er Jahre in unserer Region. "Meyer's Autorennbahn", oder "Hula-Hoop-Song", wie der Inhaber das Karussell später nannte, ist Kultstätte der Jugend. Hier wird die Musik gespielt, die von den bundesdeutschen Rundfunksendern nicht wahrgenommen wird. Nur die "Wellenjäger" können am Tage an den kreischenden Lautsprechern über Kurzwelle und abends auf der Mittelwelle den "fröhlichen Wellen von Radio Luxemburg" (so lautet zu dieser Zeit der Slogan des Senders) sowie Radio Hilversum - mancherorts auch AFN oder BFBS (Radiostationen der Besatzungstruppen) lauschen, um mitzuerleben was die Jugend der Welt hören will. Nur zweimal im Jahr änderte sich diese Situation - immer dann, wenn Jahrmarkt war.


Der "Meyer-Soundtrack".

Vor Marktbeginn war es das Dröhnen der Zugmaschinen, denn was um alles in der Welt brachte in dieser Zeit die Erde schöner zum Beben als ein Lanz? Das Karussell selbst, eigentlich nichts außergewöhnliches, nur, hier wurde Musik gespielt, die woanders vergeblich zu suchen war. Vor dem Karussell prangerte eine Leuchttafel weithin sichtbar mit dem Satz: "Musik aus aller Welt". Auch dahinter mag man aus heutiger Sicht nichts besonderes vermuten, doch die Situation war eine andere.

Im Allgemeinen glaubte man, dass die Rock’n’Roll Ära 1956 mit dem Erscheinen von Elvis Presley, Carl Perkins und Bill Haley begann. In Wirklichkeit wurde diese Periode mehr von den Nachkriegsjahren und der veränderten politischen Beziehung zwischen den Nord- und Südstaaten von Amerika geprägt. Den Original-Rhythmus konnte man aber schon in der Musik des Südens Mitte der 40er hören. In dieser Zeit begann sich ganz Amerika auf den Weg zu machen, der zum Rock’n’Roll führte. In den USA also schon sehr lange, jetzt aber grassierte das Rock'n'Roll Fieber auch in Großbritannien und in den Benelux-Ländern. "Roll over Beethoven", Chuck Berrys Kampfansage an die Klassik, kam wie gerufen. Da war endlich einer der die Empfindungen der Jugend artikulierte. Aversionen gegen langweilige Musik im Radio – Wunschskonzerte mit Stücken aus den einschlägigen Operetten und der Volksmusik mit deren „Moritaten" und so genannten „Gassenhauer", oder dem, was man später "Deutscher Schlager" nannte - und im Elternhaus so gerne gehört wurde. Wusste mandoch, dass nur wenige Zentimeter auf der erleuchteten Skala des Blaupunkt-Gerätes die Sendungen von AFN, Radio Hilversum oder Radio Luxemburg trennten. Von den Sendern, die für alle eine neue Ära ankündigten. Ein Drehen an dem Senderknopf war kategorisch ausgeschlossen, weil die Eltern das Programm bestimmten.
Aber auf dem Jahrmarkt da bestimmte Kalli Meyer in seinem Musik-Tempel (Meyer's Auto-Rennbahn) das Programm: Rock'n'Roll, Swing, Jazz, Blues, eben all' das, was die "Jugend der Welt" hören wollte, ebenso wie die Zuhörer damals. Als Zugabe der urige "Meyer-Sound", viel Bass und gute Lautstärke. Endlich Elvis, Eddie Cochran, Buddy Holly, Little Richard, Bill Haley, Fats Domino und Chris Barber in lupenreinem Klang, ohne Mittel- oder Kurzwellengeräusche. Musik die es sonst nicht gab, auch nicht in den Geschäften. In jener Zeit glaubte man, die schlechte Versorgungslage hinge mit dem eigenen Wohnort zusammen. Später, als die Zuhörer an der Peripherie Ostfrieslands beruflich tätig waren, erfuhren sie, dass die Situation im ganzen Land ähnlich miserabel war. Kalli Meyer besorgte sich seine Schallplatten bei Familienmitgliedern in den Niederlanden.

Das Ende des Rock'n'Roll

Mitte der 60er Jahren schien dem Rock'n'Roll die Luft auszugehen. Die Frage, wann er sich von der Bühne verabschiedete - wenn er das überhaupt jemals tat - lässt sich fast noch unmöglicher beantworten als die nach seinem ersten Auftritt. Selbstverständlich gibt es über das Ende (!) ebenso viele Theorien wie über den Anfang. Nach Ostfriesland jedenfalls kam er mit "Kalli Meyers Autobahn". Das Ende dieser Ära bekamen die Karussell-Freunde gar nicht so richtig mit. Längst hatte Meyer umgestellt, auf Marktnischen in der Rockmusik, und man will es kaum glauben, Deutscher Schlager, wenn er denn urig genug war. "Laila", von den "Regento Stars" war so ein Fall. Weitere Favoriten waren überwiegend Titel die in den Hitparaden - die es nun schon im Radio gab - nicht auftauchten! Ein Dauerbrenner war die Ursonate der Rockmusik "La Paloma" in der Version von Billy Vaughn, sie wurde während der gesamten Blütezeit eingesetzt. Kein Lied der Welt ist je so oft gesungen, gespielt, interpretiert, arrangiert, vervielfältigt und auf diversen Tonträgern festgehalten worden wie La Paloma – das Lied des 20ten Jahrhunderts!

Die Meyer-Hymne aber war: "Surfin' Bird" von den "Trashmen"



Quelle: (Auszugsweise)

Mit freundlicher Genehmigung
Johannes Ruhr
www.fresena-media.de

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